Wie wirkt sich die derzeitige Bewirtschaftung auf unseren Eichwald aus

Die Bürgerinitiative hat ein Schreiben an die Stadt verfasst, in dem die gegenwärtigen Auswirkungen der gegenwärtigen Bewirtschaftung dargelegt wird. Trotz unzähliger Waldbesucher sieht die Stadt noch nichtmals eine Veranlassung zumindest den Erholungswert des Waldes anzuerkennen, geschweige denn den ökologischen Wert.
Das Schreiben kann hier heruntergeladen werden


Es ist ein erschreckend klares und einfaches Konzept, was die Forstverwaltung derzeit fährt und von den meisten Stadtoberhäuptern und vielen Gemeinderatsfraktionen kritiklos durchgewunken wird:


  • Mehr Holz muss gefällt werden, das ist gut für unsere Wälder!
  • Mehr Eingriffe mit Pflanzung sogenannter klimaresistenter Baumarten sind unbedingt nötig, damit der Wald klimafest gemacht wird!
  • Weg mit den alten Bäumen! Die alten Bäume sind empfindlich, wachsen nicht mehr und müssen gefällt werden bevor sie absterben.
  • Die Wälder müssen licht gehauen werden, damit das wenige Wasser nicht in den Kronen hängenbleibt.
  • Wir müssen möglichst viel Holz einschlagen und nutzen, damit wir andere klimaschädliche Materialien damit ersetzen

So oder ähnlich ist es in der örtlichen Presse zu entnehmen, die derartige Aussagen kritiklos verbreitet.
Man nennt das Ganze dann kunstvoll „Chirurgie mit der Kettensäge“ und garniert die gemachten Forderungen zum vermehrten Holzeinschlag mit pseudowissenschaftlichen Äußerungen:

„Denn die heute 70 bis 100 Jahre alten Bäume wuchsen in deutlich kälteren und feuchteren Jahren auf und hinterlegten dies in ihren genetischen Code. „Junge Bäume haben sich genetisch an Veränderungen eher angeglichen“

https://www.badische-zeitung.de/chirurgie-mit-der-kettensaege–200538482.html

Klingt doch alles klar verständlich, was kann man denn gegen jugendliche Wälder haben? Jugend steht für Gesundheit, Energie, Leistungsfähigkeit und Flexibilität.
Der Forstverwaltung kann man blind vertrauen, wir als Bürger und Gemeinderäte haben eh keine Ahnung vom Wald.“


Alleine schon durch Anwendung des gesunden Menschenverstandes kommen doch erhebliche Zweifel, ob die vom Forstamt Staufen erhobenen Forderungen nach mehr Holznutzung tatsächlich gut für unseren Wald ist:

  • Der Wald liefert das Produkt Holz mit dem man klimaschädliche Produkte ersetzen kann, das ist klar. Aber müssen wir gerade in diesen extrem trockenen Jahren nicht darauf achten, dass der Wald vor der Trockenheit und Hitze selbst geschützt wird, ansonsten kann er gar nicht mehr oder nur noch wenig wachsen? Sollten schon alleine deshalb die Eingriffe in das gewachsene Bestandesgefüge minimiert werden?
  • An einem einem heißen Sommertag spürt man zweifelsohne den angenehm kühlenden Effekt eines schattigen, dichten Waldes. Wie soll es daher für den Wald besser sein, wenn er licht gehauen wird und damit seine kühlende Wirkung sowohl auf sich selbst als auch für die Umgebung verliert, bzw stark vermindert wird?
  • Wird ungenutztes Holz im Wald wirklich komplett zu CO2 zersetzt und geht das wirklich so schnell innerhalb weniger Jahre wie von der Forstverwaltung angedroht? Wen dem so ist, woher stammt denn dann der ganze Humus im Boden, der erhebliche Anteile an CO2 enthält?
  • Stimmt es wirklich, dass wir lichte Wälder brauchen, damit das Wasser besser in den Boden gelangt?
    Ist es nicht so, dass das das Wasser durch die Sonnenstrahlung schneller verdunstet und durch die hohe Temperatur der Stämme die Bäume massiv mehr gestresst werden?
  • Sind die alten Bäume wirklich so wertlos oder sogar hinderlich? Haben nicht gerade ältere Bäume tiefere Wurzelsysteme und wirken so noch ausgleichender auf den Wasserhaushalt? Dienen sie nicht eben gerade als Schattenspender für aufkommende junge Baumpflänzchen? Sorgen nicht gerade die alten Bäume für ihre Nachkommen in dem sie viel stärker fruktifizieren?
  • Wieso heisst das Forstamt Staufen alle Maßnahmen gut, die eine Erhöhung der Holzproduktion vorsehen, aber wenn es darum geht, weniger Holz einzuschlagen, werden auf einmal üble Drohszenarien auf den Tisch gebracht, insbesondere von finanziellen Nachteilen ist dann die Rede, obwohl es durch Nichtnutzung teilweise erhebliche Einnahmensquellen gibt, wie z.B. im Bereich Ökopunkte. Hat die Forstverwaltung ihr Handeln nicht extrem einseitig auf die Holznutzung gelegt?
  • Wie funktioniert die Forstverwaltung überhaupt, gibt es da nicht freie Auswahl, wer den öffentlichen Wald, also Kommunal- und Staatswald betreut? Gibt es funktionierende Kontrollen von aussen? Will die staatliche Forstverwaltung wirklich das Beste für unseren Wald oder ist sie nicht eher Handlanger der Holzlobby, wo doch der Holzbedarf ständig neue Rekorde erreicht?

Pressemitteilung zum Beitrag der BZ vom 25.10.2019 und den Äußerungen der CDU

Pressemitteilung zum Beitrag der BZ vom 25.10.2019 und den Äußerungen der CDU

Die BI „Rettet den Eichwald“ begrüßt die Entscheidung des Gemeinderats, die Forstwirtschaft im Müllheimer Eichwald zurückzufahren. Gleichwohl hätte sie sich für die Fällsaison 2019/20 ein weiterreichendes Innehalten gewünscht, um in dieser Zeit eine zukunftsfähige Lösung für die Bewirtschaftung des Eichwaldes entwickeln zu können.

Um eine umfassende Berichterstattung zu ermöglichen, möchten wir dem Bericht der Badischen Zeitung zur Gemeinderatssitzung vom 23.10.2019 folgende Punkte hinzufügen:

  • ALM/ Grüne forderten den Verzicht auf Durchforstungen in Altholzbeständen und neue Verjüngungsflächen im Forstwirtschaftsjahr 2019/20. Dies entspricht nahezu den Forderungen der BI nach einem einjährigen Moratorium. Die hierdurch entstehenden Kosten sind weitaus niedriger als im Bericht der BZ angegeben. Zwar wurden vom Forstamt Staufen Zahlen von einer bis einer halben Millionen Euro genannt. Diese beziehen sich jedoch auf die gesamte 1600 ha Müllheimer Wald und beinhalten die Kosten für Fällungen, Wegreparaturen nach Forstarbeiten sowie Verjüngungskosten. Da der Müllheimer Eichwald nur 300 ha umfasst und die genannten Kosten bei einem Verzicht der Maßnahmen nicht anfallen, lägen die tatsächlich auf den Eichwald bezogenen Kosten im aktuellen Haushaltsjahr deutlich unter 100.000€. Eine Summe, die weniger als 0,2% des Müllheimer Haushaltes ausmacht und eine lohnende Investition in eine zukunftsfähige Waldbewirtschaftung darstellt.
  • Die aktuelle Klimadiskussion und die zu beobachtenden Veränderungen der Niederschlagsmengen und Temperaturanstiege der letzten Jahre machen es unumgänglich bisherige Ansätze zu überdenken. Derzeit herrscht bundesweit eine intensive Diskussion über den „richtigen“ Weg in der Forstwirtschaft. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) empfiehlt in seinem aktuellsten Positionspapier von September 2019, Bäume älter werden zu lassen und Produktionszeiträume zu verlängern, bei geplanten Verjüngungen auf lange Verjüngungszeiten zu setzen und generell naturnahe Waldgesellschaften zu fördern. Gleiches forderten die Forstexperten Dr. Lutz Fähser (B.A.U.M. Umweltpreisträger für naturnahe Waldwirtschaft) und Volker Ziesling (Landesforsten Rheinland-Pfalz) in der gemeinsamen Informationsveranstaltung von Stadt und BI. Das geltende Forsteinrichtungswerk in Müllheim geht in die gegensätzliche Richtung und setzt auf verstärkte Holznutzung, schnelle und großflächige Verjüngung und eine Intensivierung von Eiche auf einem Buchenstandort.
  • Die BI fordert naturnahe Eichen-Mischwälder, längere Verjüngungszeiten, den Schutz und Erhalt alter Eichenbestände und insgesamt geringere Hiebsätze. Genaue Forderungen siehe Anhang.
  • Verwunderlich ist für die BI die Aussage der CDU, dass die Stadträte der anderen Fraktionen, den Vertretern von Forst und Stadt die Kompetenz absprechen. Fachliche Diskussionen sind stets eine Bereicherung und Basis für erfolgsversprechende Lösungen  – erst Recht wenn sie, wie in diesem Fall, von forstlichen Experten aus den Fraktionen ausgehen.  Bislang hat sich die CDU-Fraktion weitestgehend den Informationen zur aktuellen Lage der Forstwirtschaft in Müllheim entzogen (z.B. mangelnde Teilnahme an der gemeinsamen Infoveranstaltung von Stadt und BI). Auch konnten keine tragfähigen Beiträge zur Diskussion im Gemeinderat wahrgenommen werden.

  • Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Bürgermeisterin die Bedeutung des Themas hervorgehoben und dem Gemeinderat empfohlen hat, die Bewirtschaftung im Eichwald zu überdenken. Sie lobte die Diskussion, die in Müllheim mit großem Engagement und Sachverstand geführt wird.