Pressemitteilung 19.06.2020

Zeichen der Trauer im Eichwald.

Mit schwarzen Bändern an den neu aufgestellten Infotafeln im Müllheimer Stadtwald zeigt die BI „Rettet den Eichwald“ ihre Trauer um eine vertane Chance für einen fachlich ausgewogenen und konstruktiven Dialog im Müllheimer Eichwald.

Die Tafeln, mit ihrer einseitigen und zum Teil fachlich unseriösen Darstellung dienen allein der Rechtfertigung der umstrittenen forstlichen Maßnahmen des Forstamtes Staufen. Die Folgen des Klimawandels
für unsere Wälder sind immens und stellen uns vor große Herausforderungen. Jahrzehntelang geltende Lehrmeinungen und Paradigmen werden in der Forstwirtschaft derzeit hinterfragt und heftig diskutiert.

Wir bedauern, dass die Stadt Müllheim in dieser Situation die einseitigen Werbetafeln des Forstamtes Staufen inhaltlich und finanziell unterstützt. In Müllheim scheint man in Zeiten, in denen viele bereits von einem neuen
Waldsterben reden, einem fachlichen Dialog zur Zukunft unseres Waldes aus dem Weg gehen zu wollen.

Die gemeinsam von BI und Stadt Müllheim gestaltete Infoveranstaltung im September 2019 machte zunächst Hoffnung auf einen konstruktiven Dialog. Renommierte Forstexperten stellten ihre unterschiedlichen Ansätze für eine Bewirtschaftung des Eichwaldes in Zeiten des
Klimawandels vor. Dabei wurde deutlich, wie die damalige Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich betonte, dass die getroffenen Entscheidungen für den Eichwald unter Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels und neuerer Erkenntnisse im Gemeinderat noch einmal neu überdacht werden müssen. Leider haben damals nur wenige Gemeinderäte an dieser Veranstaltung teilgenommen.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum die geplante Eichenverjüngung im Eichwald in einem derartigen Ausmaß und Tempo „durchgezogen“ werden muss. Unter Experten der Forstwirtschaft wird gerade intensiv diskutiert, wie eine zukunftsfähige Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels aussehen sollte. Selbst der baden-württembergische Waldzustandsbericht von Oktober 2019 weist darauf hin, dass die bislang als klimatolerant
eingestufte Eiche bereits nach den letzten beiden Sommern deutlich geschwächt und die weitere Entwicklung unberechenbar ist.
Viele Forstexperten und auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fordern zudem, eine zu starke Auflichtung des Kronendaches zu
vermeiden, um z.B. eine Austrocknung der Böden, aber auch den Verlust der typischen Biodiversität zu vermeiden.

Warum werden in Müllheim aktuelle Entwicklungen in der
Waldbewirtschaftung nicht berücksichtigt? Anstatt inhaltlich fragwürdige Werbetafeln aufzustellen und mitzufinanzieren, hätte sich die BI mehr Engagement im Bereich Bildung gewünscht – übrigens nach dem Landeswaldgesetz auch eine Aufgabe der Forstbehörden. Bildung hat die Förderung der Eigenständigkeit und Selbstbestimmung eines Menschen zum Ziel. Damit steht sie im krassen Gegenteil zu Werbemaßnahmen, die Menschen von einem Produkt oder einer Maßnahme überzeugen
sollen.

Der Eichwald bietet großes Potenzial für eine erfolgreiche Bildungsarbeit. Von der Naturerfahrung über die Vermittlung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge im Ökosystem Wald bis hin zu aktuellen Fragen nachhaltiger Entwicklung könnte die Bedeutung des Waldes für uns Menschen anschaulich am Beispiel des Eichwaldes erarbeitet werden. Wussten Sie z.B.,

  • dass im Eichwald die sehr seltenen Hirschkäfer leben, die auf der Roten Liste besonders gefährdeter Arten stehen und dass diese insbesondere alte Eichen als Lebensraum benötigen?
  • dass der Eichwald im 16. Jahrhundert der Schweinemast diente und von Adligen und Bevölkerung gleichermaßen genutzt werden konnte?
  • dass man aus Eicheln Kaffeeersatz, aber auch Tinte herstellen kann und dass eine Tinktur aus Eichenrinde entzündungshemmend wirkt?

Stellungnahme der BI zum Artikel der Badischen Zeitung vom 14.05.2020 „Wie geht es dem Müllheimer Eichwald über den viel diskutiert wurde“

Stellungnahme der BI „Rettet den Eichwald“  zum  BZ Artikel „Beliebt in Zeiten von Corona“ vom 14.05.2020

Da haben wir es schwarz auf weiß: Der Gemeinderat Müllheim hat die Forstwirtschaft im Eichwald ausgebremst. Schon erstaunlich, dass der Dienstleister sich beschwert, vom Auftraggeber, nämlich den politischen Vertretern der Müllheimer Bürgerinnen und Bürger, ausgebremst worden zu sein. Seit wann macht der Dienstleister die Vorgaben und seit wann hat der Auftraggeber diese zu akzeptieren? Sollte dies nicht andersherum sein? Ist das in der Forstwirtschaft anders als in allen anderen Fachgebieten? Gibt es hier tatsächlich nur EINEN Weg der Vorgehensweise? Nämlich den, den uns der derzeitige forstliche Dienstleister auf den Tisch legt? Letztendlich ist das aber eine Angelegenheit, die der Gemeinderat direkt mit den forstlichen Vertretern auszutragen hat. Ebenso die Tatsache, dass keine Vertretung des Waldeigentümers im Interview mit der BZ zu Wort kam.

Weiter wird im BZ-Artikel angeführt, es würde gefordert, dass der Müllheimer Eichwald „sich selbst überlassen bleibe“. Wer hat dies gefordert? Von Teilen des Gemeinderats und von der BI „Rettet den Eichwald“ wurde lediglich gefordert, ein oder zwei Jahre nur die notwendigsten forstlichen Maßnahmen durchzuführen, um so die notwendige Zeit zu haben, eine Bewirtschaftungsstrategie zu entwickeln, die die Bedürfnisse der Müllheimer Bürgerschaft sowie die aktuelle Klimaentwicklung und ihre Auswirkung auf den Wald berücksichtigt. Beides spielt in dem aktuellen Planungswerk nämlich keine Rolle.

Auch die ausdrückliche Betonung, dass die Debatte „hochemotional“ geführt wurde, wundert uns. Die von der BI zahlreich angebotenen Infoveranstaltungen mit bundesweit renommierten Forstexperten zeigen, dass die Diskussion seitens der BI auf dem aktuellen Stand der Forschung und umweltpolitischen Diskussion stattfand. Ganz davon ab, dass ein emotionaler Zugang zum Thema durchaus berechtigt ist.  Wald ist tatsächlich ein hoch emotionaler Ort.  Schattige Plätzchen und Wege schützen vor der Sommerhitze gerade in diesen heißen Jahren.  Alte Bäume erzählen Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten. Die Sanftheit der Geräusche mit Vogelgezwitscher und dem wohligen Rascheln der Blätter im Wind ist geradezu geschaffen für Meditation und der in der heutigen Zeit dringend notwendigen Entspannung. Den Waldbesuch dabei als reinen „Zeitvertreib“ zu bezeichnen, greift hier deutlich zu kurz.  Die positive Wirkung von Waldbesuchen auf die Gesundheit ist wissenschaftlich nachgewiesen. Anderenorts werden sogar spezielle Heilwälder ausgewiesen.

Anders in Müllheim. Da die Erholungsleistungen des Waldes ebenso wie seine ökologische Schutzfunktion kein unmittelbares Geld in die Kasse bringen, haben sie leider keine Lobby! Und so wird immer wieder die Kostenkeule aus der Kategorie „Totschlagargument“ geschwungen. Dass dies eine überaus kurzfristige Denkweise ist, die der vielfältigen Bedeutung des Eichwaldes für Müllheim und der extrem langen Wachstumszeit von Wäldern in keiner Weise gerecht wird, scheint offensichtlich noch nicht angekommen zu sein. Da nützt auch der Hinweis nichts, das Wald Museum, Lehr- und  Lernort und touristische Attraktion in einem ist und derartige  Einrichtungen nun einmal  Geld kosten. Vielmehr scheint die vorherrschende Meinung zu sein: Museum ist Museum, Schule ist Schule und Wald hat Holz und Geld zu liefern.

Wie und durch was sich dabei die Kosten des Waldes zusammensetzen, ob die durch Holzernte entstandenen direkten Kosten (z.B. Waldarbeiter) und indirekten Kosten (z.B. Wegeschäden, Wertverlust durch Fäll- und Rückeschäden) sauber verrechnet und angegeben werden, bleibt dabei im Dunkeln. Da muss der interessierte Laie einfach darauf vertrauen, dass die Kosten z.B. des Waldwegeerhaltes durch Holzernte nicht einfach von der Holzernte zeitlich und funktional entkoppelt und anderen Funktionen wie z.B. touristischen Maßnahmen zugerechnet werden.

So bemühen wir uns auch, die im Artikel erwähnten Kosten von 60.000 Euro für ein einzelnes Waldhabitat (5-15 Bäume) als absolut vertrauenswürdige Zahl hinzunehmen.  Auch wenn die Ausweisung von Waldrefugien im Wesentlichen darin besteht, die ausgewählten Bäume mittels Kringel zu markieren und in ein Kataster aufzunehmen. Die Arbeitskosten scheinen wohl mittlerweile exorbitant angestiegen zu sein oder muss man dafür erst noch eine ganze digitale Serverlandschaft aufbauen?  Oder sollte die Botschaft gar folgende sein „Wenn ihr Naturschutz wollt, müsst ihr bluten!“?

Tatsächlich, und das zeigt die Debatte mit dem forstlichen Dienstleister ganz deutlich: Es fehlt eine klare übergeordnete Zielsetzung im Eichwald. Bislang ist die Priorität (und das ist im Planungswerk auch nachzulesen) definitiv auf Wirtschaftswald gesetzt. Wenn man sich jedoch der stadtnahen Lage des Eichwaldes und deren Besucherströme schon vor Corona bewusst wird, so müsste unserer Meinung nach jedem klar sein, dass in unserem Eichwald der Erholungsfunktion eine ganz besondere Priorität zukommt. Dass man dabei nicht auf Nutzung verzichten muss, ist selbstverständlich und wurde auch nie gefordert!

Unsere Forderungen können alle offen auf unserer Webseite (https://eichwald-muellheim.de/die-forderungen-der-buergerinitiative/ ) einsehen.  Eine dauerhafte Forderung nach einem Nutzungsverzicht können wir dort nicht finden, gerne nehmen wir aber nachvollziehbare Hinweise hierzu entgegen.

Bei der gesamten Bewirtschaftungsdiskussion ist eines auffällig: Es wird von der Forstseite immer wieder gebetsmühlenartig auf den „Eichenwald“ hingewiesen, den man erhalten und fördern möchte.  Dies kann auch der Laie gut beobachten, denn die Wuchsröhren und Pflanzungen enthalten tatsächlich ausschließlich Eichenpflanzen.
Bislang herrscht allerdings auch in der Forstwelt große Unsicherheit, welche Baumarten in Zeiten des Klimawandels zukünftig besonders geeignet sind. Eine Förderung der Eiche ist sicherlich nicht schlecht, aber warum so einseitig und in diesem Tempo? Zumal auch die Eiche sich anderenorts bereits vom Klimawandel geschwächt zeigt. Bereits seit Jahrzehnten spricht sich die forstwirtschaftliche Lehre gegen Monokulturen aus und fordert Mischwälder mit einer hohen Variation an Baumarten. Dies hat mehrere wichtige Gründe: Mischwälder sind widerstandsfähiger und ökologisch wertvoller. Und auch aus ökonomischen Gründen ist es sinnvoll, auf unterschiedliche Baumarten zu setzen. Wer weiß schon, welche Holzart in 100 bis 200 Jahren auf dem Markt besonders gefragt ist? Bei derart langen Produktionszeitraumen ist es auch wirtschaftlich gesehen nur klug auf verschiedene Arten zu setzen!

Der Begriff „Mischwald“, taucht allerdings weder in diesem Artikel der BZ noch auf einem der bis dato aufgestellten aufwändig präparierten Hinweistafeln im Eichwald auf.  Sind wir etwa einem Irrtum aufgesessen und Mischbestände sind hier aus fachlicher Sicht gar nicht mehr anzustreben? Wir wären froh, wenn wir etwas Aufklärung bekommen könnten. In dem Zusammenhang würden wir uns auch über eine nachvollziehbare Erklärung freuen, warum die vor einigen Jahren noch vorhandenen und teilweise neu gepflanzten besonderen Baumarten wie Kirsche, Nussbaum oder auch Esskastanie nach und nach aus dem Eichwald verschwunden sind.

Abschließend wollen wir nicht verheimlichen, dass auch positive Entwicklungen erkennbar sind: Gut finden wir, dass einige unserer Forderungen zumindest ansatzweise umgesetzt werden sollen, wie z.B. die geplante Ausweisung von Waldrefugien. Damit trägt unsere Arbeit doch schon deutliche Früchte und es bestätigt uns, die Diskussionen intensiv weiterzuführen.

Pressemitteilung zum Beitrag der BZ vom 25.10.2019 und den Äußerungen der CDU

Pressemitteilung zum Beitrag der BZ vom 25.10.2019 und den Äußerungen der CDU

Die BI „Rettet den Eichwald“ begrüßt die Entscheidung des Gemeinderats, die Forstwirtschaft im Müllheimer Eichwald zurückzufahren. Gleichwohl hätte sie sich für die Fällsaison 2019/20 ein weiterreichendes Innehalten gewünscht, um in dieser Zeit eine zukunftsfähige Lösung für die Bewirtschaftung des Eichwaldes entwickeln zu können.

Um eine umfassende Berichterstattung zu ermöglichen, möchten wir dem Bericht der Badischen Zeitung zur Gemeinderatssitzung vom 23.10.2019 folgende Punkte hinzufügen:

  • ALM/ Grüne forderten den Verzicht auf Durchforstungen in Altholzbeständen und neue Verjüngungsflächen im Forstwirtschaftsjahr 2019/20. Dies entspricht nahezu den Forderungen der BI nach einem einjährigen Moratorium. Die hierdurch entstehenden Kosten sind weitaus niedriger als im Bericht der BZ angegeben. Zwar wurden vom Forstamt Staufen Zahlen von einer bis einer halben Millionen Euro genannt. Diese beziehen sich jedoch auf die gesamte 1600 ha Müllheimer Wald und beinhalten die Kosten für Fällungen, Wegreparaturen nach Forstarbeiten sowie Verjüngungskosten. Da der Müllheimer Eichwald nur 300 ha umfasst und die genannten Kosten bei einem Verzicht der Maßnahmen nicht anfallen, lägen die tatsächlich auf den Eichwald bezogenen Kosten im aktuellen Haushaltsjahr deutlich unter 100.000€. Eine Summe, die weniger als 0,2% des Müllheimer Haushaltes ausmacht und eine lohnende Investition in eine zukunftsfähige Waldbewirtschaftung darstellt.
  • Die aktuelle Klimadiskussion und die zu beobachtenden Veränderungen der Niederschlagsmengen und Temperaturanstiege der letzten Jahre machen es unumgänglich bisherige Ansätze zu überdenken. Derzeit herrscht bundesweit eine intensive Diskussion über den „richtigen“ Weg in der Forstwirtschaft. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) empfiehlt in seinem aktuellsten Positionspapier von September 2019, Bäume älter werden zu lassen und Produktionszeiträume zu verlängern, bei geplanten Verjüngungen auf lange Verjüngungszeiten zu setzen und generell naturnahe Waldgesellschaften zu fördern. Gleiches forderten die Forstexperten Dr. Lutz Fähser (B.A.U.M. Umweltpreisträger für naturnahe Waldwirtschaft) und Volker Ziesling (Landesforsten Rheinland-Pfalz) in der gemeinsamen Informationsveranstaltung von Stadt und BI. Das geltende Forsteinrichtungswerk in Müllheim geht in die gegensätzliche Richtung und setzt auf verstärkte Holznutzung, schnelle und großflächige Verjüngung und eine Intensivierung von Eiche auf einem Buchenstandort.
  • Die BI fordert naturnahe Eichen-Mischwälder, längere Verjüngungszeiten, den Schutz und Erhalt alter Eichenbestände und insgesamt geringere Hiebsätze. Genaue Forderungen siehe Anhang.
  • Verwunderlich ist für die BI die Aussage der CDU, dass die Stadträte der anderen Fraktionen, den Vertretern von Forst und Stadt die Kompetenz absprechen. Fachliche Diskussionen sind stets eine Bereicherung und Basis für erfolgsversprechende Lösungen  – erst Recht wenn sie, wie in diesem Fall, von forstlichen Experten aus den Fraktionen ausgehen.  Bislang hat sich die CDU-Fraktion weitestgehend den Informationen zur aktuellen Lage der Forstwirtschaft in Müllheim entzogen (z.B. mangelnde Teilnahme an der gemeinsamen Infoveranstaltung von Stadt und BI). Auch konnten keine tragfähigen Beiträge zur Diskussion im Gemeinderat wahrgenommen werden.

  • Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Bürgermeisterin die Bedeutung des Themas hervorgehoben und dem Gemeinderat empfohlen hat, die Bewirtschaftung im Eichwald zu überdenken. Sie lobte die Diskussion, die in Müllheim mit großem Engagement und Sachverstand geführt wird.

Vortrag am 5.11.2019 „FSC zertifizierte Waldbewirtschaftung.Ein Weg für den Müllheimer Eichwald?“

Veranstaltungsankündigung

FSC zertifizierte Waldbewirtschaftung. Ein Weg für den Müllheimer Eichwald?

 Der Staatswald in Baden – Württemberg ist seit 2014 nach den Forest Stewardship Council (FSC) Richtlinien zertifiziert. Was würde eine solche Zertifizierung für den Müllheimer Kommunalwald bzw. Eichwald bedeuten?
Elmar Seizinger, stellvertretender Geschäftsführer FSC Deutschland, wird am 05.11.  im kleinen Saal im Bürgerhaus um 19.00 Uhr dazu Auskunft geben.

Weiterführende Informationen:

Brief an die Gemeinderäte 31.01.2019

Offener Brief an die Gemeinderäte der Stadt Müllheim


Müllheim, den 31.1.2019
„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr
merken, dass man Geld nicht essen kann.“
Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,
dies ist ein Appell an Ihre Sorgfaltspflicht und an Ihre Verantwortung gegenüber zukünftigen
Generationen. Wir fordern Sie auf, im Sinne von wertkonservativem Handeln den Eichwald in seiner
Form für unsere Kinder und Kindeskinder zu erhalten. Das heißt, wir fordern Sie auf, die
Entscheidung zur Eichwaldverjüngung noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen, alle fachlichen
Argumente genauestens anzuhören und einen sofortigen Fäll-Stopp zu verhängen.
Wir betonen auch noch einmal mit aller Vehemenz: Wir stellen uns nicht gegen die Verjüngung des
Eichwaldes, sondern wir fordern eine wesentlich längere Verjüngungsperiode, was einen deutlich
niedrigeren Hiebssatz zur Folge hätte. Das heißt, wir sind für Eingriffe, aber für sanfte und nicht auf
diese brutale Art und Weise.
Deshalb bitten wir Sie inständig: Überdenken Sie Ihre Entscheidung, übernehmen Sie Verantwortung
und hören Sie sich alle Argumente sowohl von Seiten der Bürgerinitiative als auch von der
Forstverwaltung an. Machen Sie eine erneute Faktenprüfung. Gehen Sie in den Wald und verschaffen
sich dort einen Eindruck von den Forstarbeiten und bedenken Sie dabei, dass diese in den nächsten
Jahren noch in gleicher Weise fortgesetzt werden sollen. Auch halten wir es für eine umfassende
Neubewertung der Situation für nötig, dass Sie alle Daten, wie die der Inventur und detaillierte
Planungen, veröffentlichen. Wir sind uns im Klaren, dass dies ein aufwendiger Prozess ist. Wir halten
ihn aber für unumgänglich, da es sich hierbei um einen Natur- und Kulturschatz handelt, der weit über
die Region bekannt und geschätzt wird und wir uns in der Pflicht sehen, ihn für künftige Generationen
zu bewahren.
Die Entscheidung zur Eichenverjüngung zu überdenken, wäre auch im Sinne des
Nachhaltigkeitsgedankens, dem sich die Forstwirtschaft jahrhundertelang verpflichtet sah. Der
Eichenwald wurde in weiser Voraussicht angelegt: Im Mittelalter diente er als Mastfutterproduzent,
als Bauholzlieferant und zur Herstellung von Fässern. Mittlerweile ist daraus ein wahrer Schatz
entstanden, der über die Region hinaus, in ganz Europa, als besonders wertvoll eingestuft wird. So ist
er Zufluchtsort für seltene Spechtarten und Fledermäuse, auch unzählige Insektenarten finden ihr
zuhause und das begehrte Saatgut der Eichen wird europaweit für die Anpflanzung anderer Eichwälder
verkauft. Jüngste Forschungen belegen zudem den besonderen Wert von stadtnahen Wäldern. So ist
der Eichwald ein wichtiger Ort der Erholung, der Reflektion und der Heilung. Waldaufenthalte senken
Stresshormone und das Krebsrisiko zugleich verbessern sie das Immunsystem und wirken gegen
Depression.
Wir möchten, dass diesen Wald auch zukünftige Generationen noch erleben können. Es wäre jedoch
fatal, wenn sich unsere Befürchtungen als finstere Weissagung bewahrheiten, Deshalb erwarten wir
von Ihnen eine klare Äußerung, ein klares Ja zu einem Fäll-Stopp. Um diesem wunderbaren Schatz
gerecht zu werden, fordern wir Sie zudem auf, ein Symposium ins Leben zu rufen, das die Bedeutung
dieses Eichwalds als Natur- und Kulturgut unterstreicht und wo nachhaltige Verfahren der
Waldwirtschaft sowie die besondere Bedeutung von Stadtwäldern als Erholungswälder diskutiert
werden.
Bürgerinitiative „Rettet den Eichwald“