Pressemitteilung zum Beitrag der BZ vom 25.10.2019 und den Äußerungen der CDU

Pressemitteilung zum Beitrag der BZ vom 25.10.2019 und den Äußerungen der CDU

Die BI „Rettet den Eichwald“ begrüßt die Entscheidung des Gemeinderats, die Forstwirtschaft im Müllheimer Eichwald zurückzufahren. Gleichwohl hätte sie sich für die Fällsaison 2019/20 ein weiterreichendes Innehalten gewünscht, um in dieser Zeit eine zukunftsfähige Lösung für die Bewirtschaftung des Eichwaldes entwickeln zu können.

Um eine umfassende Berichterstattung zu ermöglichen, möchten wir dem Bericht der Badischen Zeitung zur Gemeinderatssitzung vom 23.10.2019 folgende Punkte hinzufügen:

  • ALM/ Grüne forderten den Verzicht auf Durchforstungen in Altholzbeständen und neue Verjüngungsflächen im Forstwirtschaftsjahr 2019/20. Dies entspricht nahezu den Forderungen der BI nach einem einjährigen Moratorium. Die hierdurch entstehenden Kosten sind weitaus niedriger als im Bericht der BZ angegeben. Zwar wurden vom Forstamt Staufen Zahlen von einer bis einer halben Millionen Euro genannt. Diese beziehen sich jedoch auf die gesamte 1600 ha Müllheimer Wald und beinhalten die Kosten für Fällungen, Wegreparaturen nach Forstarbeiten sowie Verjüngungskosten. Da der Müllheimer Eichwald nur 300 ha umfasst und die genannten Kosten bei einem Verzicht der Maßnahmen nicht anfallen, lägen die tatsächlich auf den Eichwald bezogenen Kosten im aktuellen Haushaltsjahr deutlich unter 100.000€. Eine Summe, die weniger als 0,2% des Müllheimer Haushaltes ausmacht und eine lohnende Investition in eine zukunftsfähige Waldbewirtschaftung darstellt.
  • Die aktuelle Klimadiskussion und die zu beobachtenden Veränderungen der Niederschlagsmengen und Temperaturanstiege der letzten Jahre machen es unumgänglich bisherige Ansätze zu überdenken. Derzeit herrscht bundesweit eine intensive Diskussion über den „richtigen“ Weg in der Forstwirtschaft. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) empfiehlt in seinem aktuellsten Positionspapier von September 2019, Bäume älter werden zu lassen und Produktionszeiträume zu verlängern, bei geplanten Verjüngungen auf lange Verjüngungszeiten zu setzen und generell naturnahe Waldgesellschaften zu fördern. Gleiches forderten die Forstexperten Dr. Lutz Fähser (B.A.U.M. Umweltpreisträger für naturnahe Waldwirtschaft) und Volker Ziesling (Landesforsten Rheinland-Pfalz) in der gemeinsamen Informationsveranstaltung von Stadt und BI. Das geltende Forsteinrichtungswerk in Müllheim geht in die gegensätzliche Richtung und setzt auf verstärkte Holznutzung, schnelle und großflächige Verjüngung und eine Intensivierung von Eiche auf einem Buchenstandort.
  • Die BI fordert naturnahe Eichen-Mischwälder, längere Verjüngungszeiten, den Schutz und Erhalt alter Eichenbestände und insgesamt geringere Hiebsätze. Genaue Forderungen siehe Anhang.
  • Verwunderlich ist für die BI die Aussage der CDU, dass die Stadträte der anderen Fraktionen, den Vertretern von Forst und Stadt die Kompetenz absprechen. Fachliche Diskussionen sind stets eine Bereicherung und Basis für erfolgsversprechende Lösungen  – erst Recht wenn sie, wie in diesem Fall, von forstlichen Experten aus den Fraktionen ausgehen.  Bislang hat sich die CDU-Fraktion weitestgehend den Informationen zur aktuellen Lage der Forstwirtschaft in Müllheim entzogen (z.B. mangelnde Teilnahme an der gemeinsamen Infoveranstaltung von Stadt und BI). Auch konnten keine tragfähigen Beiträge zur Diskussion im Gemeinderat wahrgenommen werden.

  • Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Bürgermeisterin die Bedeutung des Themas hervorgehoben und dem Gemeinderat empfohlen hat, die Bewirtschaftung im Eichwald zu überdenken. Sie lobte die Diskussion, die in Müllheim mit großem Engagement und Sachverstand geführt wird.

Vortrag am 5.11.2019 „FSC zertifizierte Waldbewirtschaftung.Ein Weg für den Müllheimer Eichwald?“

Veranstaltungsankündigung

FSC zertifizierte Waldbewirtschaftung. Ein Weg für den Müllheimer Eichwald?

 Der Staatswald in Baden – Württemberg ist seit 2014 nach den Forest Stewardship Council (FSC) Richtlinien zertifiziert. Was würde eine solche Zertifizierung für den Müllheimer Kommunalwald bzw. Eichwald bedeuten?
Elmar Seizinger, stellvertretender Geschäftsführer FSC Deutschland, wird am 05.11.  im kleinen Saal im Bürgerhaus um 19.00 Uhr dazu Auskunft geben.

Weiterführende Informationen:

Brief an die Gemeinderäte 31.01.2019

Offener Brief an die Gemeinderäte der Stadt Müllheim


Müllheim, den 31.1.2019
„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr
merken, dass man Geld nicht essen kann.“
Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,
dies ist ein Appell an Ihre Sorgfaltspflicht und an Ihre Verantwortung gegenüber zukünftigen
Generationen. Wir fordern Sie auf, im Sinne von wertkonservativem Handeln den Eichwald in seiner
Form für unsere Kinder und Kindeskinder zu erhalten. Das heißt, wir fordern Sie auf, die
Entscheidung zur Eichwaldverjüngung noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen, alle fachlichen
Argumente genauestens anzuhören und einen sofortigen Fäll-Stopp zu verhängen.
Wir betonen auch noch einmal mit aller Vehemenz: Wir stellen uns nicht gegen die Verjüngung des
Eichwaldes, sondern wir fordern eine wesentlich längere Verjüngungsperiode, was einen deutlich
niedrigeren Hiebssatz zur Folge hätte. Das heißt, wir sind für Eingriffe, aber für sanfte und nicht auf
diese brutale Art und Weise.
Deshalb bitten wir Sie inständig: Überdenken Sie Ihre Entscheidung, übernehmen Sie Verantwortung
und hören Sie sich alle Argumente sowohl von Seiten der Bürgerinitiative als auch von der
Forstverwaltung an. Machen Sie eine erneute Faktenprüfung. Gehen Sie in den Wald und verschaffen
sich dort einen Eindruck von den Forstarbeiten und bedenken Sie dabei, dass diese in den nächsten
Jahren noch in gleicher Weise fortgesetzt werden sollen. Auch halten wir es für eine umfassende
Neubewertung der Situation für nötig, dass Sie alle Daten, wie die der Inventur und detaillierte
Planungen, veröffentlichen. Wir sind uns im Klaren, dass dies ein aufwendiger Prozess ist. Wir halten
ihn aber für unumgänglich, da es sich hierbei um einen Natur- und Kulturschatz handelt, der weit über
die Region bekannt und geschätzt wird und wir uns in der Pflicht sehen, ihn für künftige Generationen
zu bewahren.
Die Entscheidung zur Eichenverjüngung zu überdenken, wäre auch im Sinne des
Nachhaltigkeitsgedankens, dem sich die Forstwirtschaft jahrhundertelang verpflichtet sah. Der
Eichenwald wurde in weiser Voraussicht angelegt: Im Mittelalter diente er als Mastfutterproduzent,
als Bauholzlieferant und zur Herstellung von Fässern. Mittlerweile ist daraus ein wahrer Schatz
entstanden, der über die Region hinaus, in ganz Europa, als besonders wertvoll eingestuft wird. So ist
er Zufluchtsort für seltene Spechtarten und Fledermäuse, auch unzählige Insektenarten finden ihr
zuhause und das begehrte Saatgut der Eichen wird europaweit für die Anpflanzung anderer Eichwälder
verkauft. Jüngste Forschungen belegen zudem den besonderen Wert von stadtnahen Wäldern. So ist
der Eichwald ein wichtiger Ort der Erholung, der Reflektion und der Heilung. Waldaufenthalte senken
Stresshormone und das Krebsrisiko zugleich verbessern sie das Immunsystem und wirken gegen
Depression.
Wir möchten, dass diesen Wald auch zukünftige Generationen noch erleben können. Es wäre jedoch
fatal, wenn sich unsere Befürchtungen als finstere Weissagung bewahrheiten, Deshalb erwarten wir
von Ihnen eine klare Äußerung, ein klares Ja zu einem Fäll-Stopp. Um diesem wunderbaren Schatz
gerecht zu werden, fordern wir Sie zudem auf, ein Symposium ins Leben zu rufen, das die Bedeutung
dieses Eichwalds als Natur- und Kulturgut unterstreicht und wo nachhaltige Verfahren der
Waldwirtschaft sowie die besondere Bedeutung von Stadtwäldern als Erholungswälder diskutiert
werden.
Bürgerinitiative „Rettet den Eichwald“