Die konkreten Forderungen der Bürgerinitiative

Ziele, Vorschläge und Forderungen
der Bürgerinitiative „Rettet den Eichwald“ für den Eichwald Müllheim

  1. Änderung der übergeordneten Zielsetzung für den Eichwald:
    • Zukünftig sollen die Waldfunktionen Erholung und Naturschutz mindestens in gleichem Maße bei der Waldbewirtschaftung berücksichtigt werden, wie die wirtschaftliche Funktion. Das aktuelle Vorherrschen der wirtschaftlich orientierten Waldbewirtschaftung lehnen wir ab.

    • Grundsätzlich legt der Waldeigentümer die Ziele fest und nicht die Forstverwaltung bzw. der Dienstleister. Waldeigentümer sind letztendlich die Bürger der Stadt. Bürger, Gemeinderat und Stadt sollten sich daher entsprechend einbringen und auf eine differenzierte Bewirtschaftung Einfluss nehmen. Die im Rahmen der Forsteinrichtung dargelegten Ziele (formuliert auf Basis der sogenannten sechs Helsinki-Kriterien) haben eher neutralen Charakter und geben keine klare Zieldefinition vor. Die BI fordert eine klare deutlichere Anerkennung und stärkere Berücksichtigung von Erholungs- und Schutzfunktion

    • Erholungsfunktion: Der Müllheimer Eichwald ist mit seinen rd. 300 ha das der Kernstadt nächstgelegene Waldgebiet, umgeben von Siedlung, Freiflächen wie Streuobstwiesen und von Weinbau. Durch die Flächengröße von knapp 300 ha (Ausdehnung ca. 2,6 x 1,8 km) sowie durch die Wege am Waldrand hat der Besucher im Eichwald die Möglichkeit, den Wald aber auch die Freiflächen innerhalb kurzer Zeit zu besuchen. Deshalb braucht es aus Erholungssicht keinen Freiflächencharakter innerhalb der Waldfläche. Vielmehr stellt die schattenspendende Wirkung des Waldes eine ganz wesentliche Erholungseigenschaft dar. An den Wegen eignet sich hierfür die Buche sowie andere eher schattenverträgliche Arten besser als die lichtere Eiche.
      Darüber hinaus hat das Waldbild – die Ästhetik des Waldes –eine wichtige Bedeutung für die Erholungsfunktion. Diese wird durch die zunehmende Zahl und Größe der Verjüngungsflächen mit Wuchsröhren sowie durch intensive Durchforstungsmaßnahmen empfindlich gestört. Der Eichwald soll von den Waldbesuchern als WALD und nicht als forstliche Großbaustelle wahrgenommen werden können. Wünschenswert ist ein Waldbild, dass auch durch starke alte, knorrige Eichen, stattliche Buchen und andere Baumarten geprägt ist. Ein derartiger Wald könnte den mittlerweile auch überregional bekannten Eichwald touristisch stärker in den Fokus rücken.
    • Schutzfunktion: Der Müllheimer Eichwald weist im Gegensatz zum Britzinger Eichwald keine effektiv wirksamen Waldschutzgebiete auf, obwohl die einzigartige Waldstruktur – gerade auch der Reichtum an alten Eichen –  eindeutig dafür spräche. (Siehe hierzu auch Stellungnahme NABU.) Die Forderungen der BI nach Flächenschutz sind weiter unten dargestellt. Wichtig, aber derzeit unklar, ist die Zuweisung von Ökopunkten zu Beständen im Eichwald.
      Außer einem 3.5 ha großen Waldrefugium sowie ausgewiesenen Waldbiotopflächen, welche bisher keinen offensichtlichen Einfluss auf die Bewirtschaftung hatten, sind uns keine weiteren geschützten Flächen bekannt.
  2. Baumartenzusammensetzung:
    • Die BI strebt einen Eichen-Buchen Mischwald an, welcher sich am derzeitigen Mischungsverhältnis orientiert. Eine radikale Zielsetzung hin zu einer möglichst schnellen Erhöhung des Eichenanteils in Richtung Monokulturen wird abgelehnt. Der Eichenanteil kann leicht erhöht werden, darf dabei aber nicht wie in den letzten Jahren praktiziert, radikale Durchforstungen sowie eine derart hohe Anzahl und in der Summe zu große Kahlschlagflächen zur Folge haben.
      Der BI ist klar, dass die Eiche als künstlich eingebrachte Lichtbaumart eine entsprechende Behandlung benötigt, bei der ggf. Kleinkahlschläge/Lochschläge zur Verjüngung notwendig sein können. Auch in Fachkreisen wird dieser Punkt sehr kontrovers diskutiert (siehe z.B. Jedicke & Hakes Naturschutz und Landschaftsplanung 37, (2), 2005, „ Management von Eichenwäldern im Rahmen der FFH-Richtlinie“)
      Aufgrund der derzeitigen Klimaentwicklung ist in jedem Falle erhöhte Sensibilität gefordert. Noch nicht voraussehbar ist, wie sich die Dynamik der Eiche im Vergleich zu den bislang natürlich vorkommenden Baumarten entwickelt. In jedem Falle sollen Mischbestände und nicht etwa Eichenreinbestände angestrebt werden.
    • Weiterhin sollten bisher eingemischte Baumarten erhalten und gefördert werden – anzuführen sind hier beispielhaft Ahorn, (Esche), Hainbuche, Linde, Kiefer, Fichte. Kirsche, Nussbaum, Esskastanie etc. Seltene Baumarten können dabei als Einzelbäume an Rändern von Beständen / Wegen eingebracht werden (vor Jahren gängige Praxis). Tatsächlich setzt die gegenwärtige Bewirtschaftung ausschließlich auf die Eiche, welche auf den meisten Flächen bis direkt an die Wege gesetzt wird.
  3. Deutlich sensibleres Vorgehen und Reduzierung der Durchforstungsintensität.
    • Die Intensität der in den letzten Jahren durchgeführten Durchforstungen ist eindeutig zu hoch. Aufgerissene Bestände, größere Lücken, teils über Horstgrößen, reduzieren den typischen Waldcharakter.
      Das Waldbild leidet und Beschattung und Bestandesschluss verschwinden. Insbesondere im Kontext schädlicher Auswirkungen des Klimawandels sind eher geschlossene Bestandesformen anzustreben.
      Zudem ist auch aus forstlicher Sicht zu hinterfragen, ob jede noch so schwache Eiche von vitaleren Wertträgern freigestellt werden muss, was letztendlich auch finanzielle Verluste zur Folge hat. Die in kurzer Zeit radikal freigestellten Eichen sind zudem der Gefahr der Entwertung durch Wasserreiser oder auch Ringschäle ausgesetzt.

  4. Detailforderungen/ Instrumentarien:
    • Das aktuelle Einrichtungswerk gibt eine Hiebssatzsteigerung um 30% (auf der gesamten Fläche) zur vorangegangenen Planung vor. Die BI fordert eine erhebliche Reduzierung des Hiebsatzes als Konsequenz aus den o.g. Forderungen.
      Zu beachten ist, dass selbst im aktuellen Einrichtungswerk die Forderungen nach einer Hiebssatzsenkung im Kapitel 3.2. dargelegt sind. Der Hiebssatz wurde in der letzten Zwischenrevision schon einmal gesenkt, ohne dass im Einrichtungswerk die Gründe hierfür erwähnt wurden (siehe Kapitel 2). Die Hiebsatzsenkung würde auch den Förstern den Druck nehmen, aufgrund der Vorgaben „Verzweiflungshiebe“ durchzuführen.
      Keinesfalls darf die derzeitige Käfersituation im Nadelholz zu Kompensationshieben im Laubholzbereich führen.
    • Deutliche Reduzierung der jährlichen Eichenverjüngungsflächen. Die BI fordert die Begrenzung auf max. 0,5 ha pro Jahr im Müllheimer Eichwald.
    • Ausweisung von 100 ha Eichwald als Schonwald mit klar festgelegten und nachprüfbaren Zielen.
    • Zusätzlich insgesamt 5% der Fläche = 15 ha als Waldrefugien ausweisen.
    • Ausweisung einzelner alter, besonders stattlicher Eichen und Buchen, gegebenenfalls auch anderer Baumarten als Naturdenkmale. Grundsätzlich sollten aber alle Bäume mit Horsten oder Höhlen, größeren Rindenschäden (z.B. Blitzschlag), starken Totästen, Baumpilzen, krüppeligem Wuchs oder anderen Besonderheiten geschont und solange als möglich im Bestand erhalten werden. Derartige Bäume sind für den Artenschutz von hoher Wertigkeit; sie bieten Lebensraum für höhlenbrütende Vögel und Fledermäuse, für Insekten (große Artenvielfalt und Besonderheiten der Käfer an Eiche!), Pilze, Flechten, Moose und zahllose Kleinlebewesen. Oft sind derartige Bäume von geringerem Holzwert. aber sehr hohem Naturschutzwert. Bei der Auswahl zu fällender Bäume muss daher großer Wert auf das Auffinden und den Erhalt derartiger Bäume gelegt werden – und das nicht nur im Rahmen von Altholzinseln und Naturdenkmalen.
    • Prüfung der Ausweisung des Eichwaldes als Heilwald. Maßnahmen hierzu müssten im Detail diskutiert werden. Eine derartige Ausweisung rückt den Wald in einen neuen Fokus und kann auch touristisch von großem Interesse sein. Ggf. ist hier auch eine Kooperation mit Badenweiler möglich.
    • Waldaußen- und Innenrandgestaltung
      Eine ökologisch wertvolle Waldrandgestaltung fehlt derzeit. Der Waldrand entlang der Wege ist durch imaschinelle Fräsung gekennzeichnet, ähnlich wie bei Bundesstraßen oder Autobahnen. Dabei wird keine Rücksicht auf wertvolle Sträucher oder andere Pflanzen genommen. Eine aktive Waldrandgestaltung würde den ökologischen sowie den Erholungswert deutlich steigern.
      ==> Aufgrund der in den letzten Jahren erfolgten Auflichtungen hat sich zudem auch im Innenbereich entlang der Wege eine starke Flora entwickelt, die nun aufwändig analog zum Außenbereich maschinell abgefräst werden. Neben ökologischen Nachteilen sehen wir das auch unter finanziellen Aspekten sehr kritisch. Dies ist eine Folge der starken Auflichtungen der Bestände.
    • Das Anbringen und Pflegen von Nistkästen ist im Sinne der Artenvielfalt zur Förderung von Höhlenbrütern und Höhlenbewohnern sehr wichtig. Bis vor wenigen Jahren sind die Nistkästen im Eichwald  gepflegt worden. Die zahlreichen offenen Kästen zeigen, dass dies nun nicht mehr der Fall ist. Die Pflege sollte wieder aufgenommen werden.
    • Für den gesamten Müllheimer Stadtwald.
    • Reduzierung des Hiebsatzes auf der Gesamtfläche
    • Anstreben einer Zertifizierung nach FSC

Schutzgebiete im Müllheimer Eichwald

Der Müllheimer Eichwald schließt sich direkt an Müllheim an.
Er umfasst folgende Schutzgebiete:

  • Landschaftsschutzgebiet (nach Landesnaturschutzgesetz)
  • Waldbiotope nach Landeswaldgesetz.

Das großräumige Landschaftsschutzgebiet hat für den Wald kaum Einschränkungen zur Folge.  So müssen Kahlhiebe grösser als 2 ha von der unteren Naturschutzbehörde genehmigt werden. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen.

Im Gegensatz dazu sind z.B. im Bereich des Britzinger Eichwaldes wesentlich mehr und strengere Schutzbereiche ausgewiesen.

Sehr gut dokumentiert sind die Schutzgebiete über den Online Kartendienst der Landesanstalt Umwelt Baden-Württemberg „LUBW“):

Die Webseiten dort bauen manchmal extrem langsam auf, Geduld ist gefragt.

Hier klicken um direkt auf die Seite der LUBW zu gelangen

Zur besseren Sichtbarkeit können einzelne Schutzgebiete über das Setzen des Hakens in der Legende an oder ausgeschaltet werden. In dem Permalink ist erstmal das Häkchen für das Landschaftsschutzgebiet nicht gesetzt, weil das sonst fast alles überdeckt-

Beim Hineinzoomen wird ab einem bestimmten Maßstab von Karte auf Luftbild(Orthofoto) umgeschaltet, die Fotos sind relativ aktuell, man sieht etliche Kahlflächen.

Durch Links-Klick auf die Schutzgebiete erreicht man via Menüpunkt detailiertere Dokumentationen wie z.B. textliche Beschreibungen und rechtliche Verordnungen, teilweise zum Herunterladen

ab einem bestimmten Zoomlevel werden sogar Flurstücksnummern angezeigt

Forstliche Informationen sind hier praktisch keine vorhanden. Lediglich die Waldbiotope nach Landeswaldgesetz sind hier einsehbar.

Sehr schön einzusehen sind z.B. auch Naturdenkmäler in Müllheim (als Punkte dargestellt“

Via Hauptseite sind etliche andere interessante umweltrelevante Daten visuell oder tabellarisch vorhanden.