Brief an die Gemeinderäte 31.01.2019

Offener Brief an die Gemeinderäte der Stadt Müllheim


Müllheim, den 31.1.2019
„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr
merken, dass man Geld nicht essen kann.“
Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,
dies ist ein Appell an Ihre Sorgfaltspflicht und an Ihre Verantwortung gegenüber zukünftigen
Generationen. Wir fordern Sie auf, im Sinne von wertkonservativem Handeln den Eichwald in seiner
Form für unsere Kinder und Kindeskinder zu erhalten. Das heißt, wir fordern Sie auf, die
Entscheidung zur Eichwaldverjüngung noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen, alle fachlichen
Argumente genauestens anzuhören und einen sofortigen Fäll-Stopp zu verhängen.
Wir betonen auch noch einmal mit aller Vehemenz: Wir stellen uns nicht gegen die Verjüngung des
Eichwaldes, sondern wir fordern eine wesentlich längere Verjüngungsperiode, was einen deutlich
niedrigeren Hiebssatz zur Folge hätte. Das heißt, wir sind für Eingriffe, aber für sanfte und nicht auf
diese brutale Art und Weise.
Deshalb bitten wir Sie inständig: Überdenken Sie Ihre Entscheidung, übernehmen Sie Verantwortung
und hören Sie sich alle Argumente sowohl von Seiten der Bürgerinitiative als auch von der
Forstverwaltung an. Machen Sie eine erneute Faktenprüfung. Gehen Sie in den Wald und verschaffen
sich dort einen Eindruck von den Forstarbeiten und bedenken Sie dabei, dass diese in den nächsten
Jahren noch in gleicher Weise fortgesetzt werden sollen. Auch halten wir es für eine umfassende
Neubewertung der Situation für nötig, dass Sie alle Daten, wie die der Inventur und detaillierte
Planungen, veröffentlichen. Wir sind uns im Klaren, dass dies ein aufwendiger Prozess ist. Wir halten
ihn aber für unumgänglich, da es sich hierbei um einen Natur- und Kulturschatz handelt, der weit über
die Region bekannt und geschätzt wird und wir uns in der Pflicht sehen, ihn für künftige Generationen
zu bewahren.
Die Entscheidung zur Eichenverjüngung zu überdenken, wäre auch im Sinne des
Nachhaltigkeitsgedankens, dem sich die Forstwirtschaft jahrhundertelang verpflichtet sah. Der
Eichenwald wurde in weiser Voraussicht angelegt: Im Mittelalter diente er als Mastfutterproduzent,
als Bauholzlieferant und zur Herstellung von Fässern. Mittlerweile ist daraus ein wahrer Schatz
entstanden, der über die Region hinaus, in ganz Europa, als besonders wertvoll eingestuft wird. So ist
er Zufluchtsort für seltene Spechtarten und Fledermäuse, auch unzählige Insektenarten finden ihr
zuhause und das begehrte Saatgut der Eichen wird europaweit für die Anpflanzung anderer Eichwälder
verkauft. Jüngste Forschungen belegen zudem den besonderen Wert von stadtnahen Wäldern. So ist
der Eichwald ein wichtiger Ort der Erholung, der Reflektion und der Heilung. Waldaufenthalte senken
Stresshormone und das Krebsrisiko zugleich verbessern sie das Immunsystem und wirken gegen
Depression.
Wir möchten, dass diesen Wald auch zukünftige Generationen noch erleben können. Es wäre jedoch
fatal, wenn sich unsere Befürchtungen als finstere Weissagung bewahrheiten, Deshalb erwarten wir
von Ihnen eine klare Äußerung, ein klares Ja zu einem Fäll-Stopp. Um diesem wunderbaren Schatz
gerecht zu werden, fordern wir Sie zudem auf, ein Symposium ins Leben zu rufen, das die Bedeutung
dieses Eichwalds als Natur- und Kulturgut unterstreicht und wo nachhaltige Verfahren der
Waldwirtschaft sowie die besondere Bedeutung von Stadtwäldern als Erholungswälder diskutiert
werden.
Bürgerinitiative „Rettet den Eichwald“